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Das All-sehende Auge             1. Teil: Die Gegenwart Gottes   

Prolog

Jahre inneren Kampfes, Leidens und scheinbar nutzlosen spirituellen Stre- bens hatten schließlich zu einem Zustand schwarzer Hoffnungslosigkeit geführt. Selbst der Rückzug in den Atheismus hatte keine Befreiung von der ununterbrochenen Suche gebracht. Vernunft und Verstand waren zu schwach für die gewaltige Aufgabe, die letzte Wahrheit zu finden. Selbst der Geist wurde in einem letztendlichen Todeskampf zerschlagen und besiegt. Sogar der Wille war erloschen. Da schrie eine innere Stimme: "Wenn es einen GOTT gibt, bitte ich ihn um Hilfe!"
Dann hörte alles auf und versank in Vergessen. Der Geist und jedes Gefühl für ein persönliches Selbst verschwanden. In einem unbeschreiblichen Augenblick waren sie durch ein unendliches, alles umfassendes Gewahrsein ersetzt worden, das strahlend, vollständig, total, schweigend und still war wie die versprochene Essenz von ALLEM, WAS IST. Glorreiche Herrlichkeit, erlesene Schönheit und der Frieden des Göttlichen brachen strahlend hervor. Es war in sich vollkommen, zeitlos, abgeschlossen, das höchste SELBST des Manifesten und des Unmanifesten, die allerhöchste Gottheit, und so ging es weiter...

Die An-Wesenheit

Eine lautlose Stille durchdringt die Umgebung und selbst Bewegung ver- langsamt sich und wird still. Alle Dinge strahlen eine intensive Lebendigkeit aus, jedes ist sich des anderen bewusst. Die leuchtende Strahlung ist ihrer Natur nach überwältigend göttlich. Sie umfasst in ihrem vollkommenen Eins- Sein jedes Ding ganz und gar, so dass alle mittels ihres Gewahrseins von- einander miteinander verbunden sind. Indem sie die grundlegende Eigen- schaft der Essenz von Existenz miteinander teilen, befinden sie sich alle in Kommunikation und Harmonie untereinander.
Die An-Wesenheit ist ein Kontinuum, das alles ausfüllt, was zuvor der normalen Wahrnehmung als freier leerer Raum vorkam. Dieses innere Ge- wahrsein ist nicht unterschieden vom SELBST. Es durchdringt die Essenz von allem. Gewahrsein ist sich seines Gewahrseins und seiner Allgegenwart gewahr. Existenz und ihr Ausdruck sowohl als Form wie als Formlosigkeit ist GOTT und gleichermaßen vorhanden in allen Objekten, Personen, Pflanzen und Tieren. Alles ist geeint durch die Göttlichkeit von Existenz.

Diese all-durchdringende Essenz schließt alles ohne Ausnahme ein. Die Möbel im Zimmer sind in ihrer Wichtigkeit oder Bedeutung den Felsen oder Pflanzen gleich, nichts ist von diesem All-Sein (allness) ausgeschlossen. Es ist allumfassend, total, vollständig, und ihm fehlt nichts. Alles ist von gleichem Wert, denn der einzige wahre Wert ist die Göttlichkeit von Existenz.
Das, was das SELBST ausmacht, ist all-seiend und vollständig, es ist überall gleichermaßen gegenwärtig. Es gibt keine Bedürfnisse, Wünsche oder Mängel, weder Unvollkommenheit noch Unstimmigkeit ist möglich und jedes Objekt steht da wie ein Kunstwerk, eine Skulptur in vollkommener Schönheit und Harmonie. Die Heiligkeit der ganzen Schöpfung bewirkt die Huldigung von jedem Ding für jedes andere. Alles ist durchtränkt von großer strahlender Pracht, und alles verharrt in Schweigen, in Ehrfurcht und An- betung. Die Offenbarung macht alles still in unendlichem Frieden und unendlicher Ruhe.
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Durch das Schweigen der An-Wesenheit zur Ruhe gebracht, ist der Geist still und wortlos. Es tauchen keine Bilder, Konzepte oder Gedanken auf. Es gibt niemanden, der sie denken könnte. Wenn keine Person anwesend ist, gibt es weder einen Denkenden noch einen Handelnden. Alles ereignet sich von selbst als Aspekt der An-Wesenheit.
In gewöhnlichen Bewusstseinszuständen legt sich Klang über einen Hinter-
grund von Stille und ersetzt diese. Demgegenüber ereignet sich in der An- Wesenheit das Gegenteil: Obgleich Klang wahrnehmbar ist, bleibt er im Hintergrund. Die Stille herrscht vor, und sie wird durch den Klang weder unterbrochen noch ersetzt. Nichts stört das schweigende Sein und seinen Frieden. Obgleich Bewegung entsteht, beeinträchtigt sie nicht die bewe- gungslose Stille, die unter der Bewegung besteht und sie enthält. Alles scheint sich ganz langsam zu bewegen, da Zeit fehlt. Es gibt lediglich den andauernden Zustand von Jetzt. Es gibt weder Ereignisse noch Veränderun- gen, da jedes Beginnen und Aufhören, jeder Anfang und jedes Ende nur im dualistischen Bewusstsein eines Beobachters stattfindet. Wenn dieses fehlt, gibt es keine Aufeinanderfolge von Ereignissen, die beschrieben oder erklärt werden könnten.
Anstelle eines denkenden Zustandes besteht ein sich offenbarender Zustand des Wissens, der vollkommenes Verstehen enthält und sich durch seine selbststrahlende Essenz selbst erklärt. Es ist so, als würde alles schwei
- gend sprechen und sich in seiner Ganzheit in der absoluten Schönheit seiner Allvollkommenheit ausdrücken. In diesem Tun bringt es die Herrlichkeit zum Ausdruck und offenbart die ihm innewohnende wahrhafte Göttlichkeit.

Das Durchfluten der Ganzheit und Essenz von allem, was existiert, durch die An-Wesenheit, ist köstlich in seiner Sanftheit und fühlt sich süß wie Schmel- zen an. Das innere Selbst ist sein wirkliches Herz. In der normalen Welt kann man nur die Oberflächen der Dinge berühren, aber in der An-Wesenheit ist es die innerste Essenz von allem, die mit jedem anderen Ding verschmol- zen ist. Diese Berührung, welche die Hand Gottes in ihrer sanften Zartheit ist, ist zur gleichen Zeit Ausdruck und Sitz unendlicher Kraft. In Kontakt mit der innersten Essenz aller Dinge ist man gewahr, dass die An-Wesenheit ebenso von jedem anderen Objekt und jeder anderen Person gespürt wird.

Die Kraft dieser Zartheit ist unbegrenzt und es gibt keine Möglichkeit eines Widerstands, weil sie total und allgegenwärtig ist. Sie durchdringt alles, was ist. Aus dieser Kraft erwächst Existenz als solche, die von Kraft sowohl erschaffen als auch gleichzeitig zusammen gehalten wird. Diese Kraft ist eine wesentliche Eigenschaft der An-Wesenheit, und sie befindet sich in der Essenz von Existenz selbst. Sie ist in allen Objekten gleichermaßen vor- handen. Es gibt nirgendwo Leere, denn die An-Wesenheit füllt jeden Raum und alle Objekte darin. Jedes Blütenblatt weiß, wie es von allen anderen erlebt wird, und stimmt ein in die jubelnde Freude über die göttliche An-Wesenheit.
Alle Dinge sind in einem Zustand schweigenden Jubels, da ihr Bewusstsein das Göttliche erfährt. Allen Dingen wohnt eine stille, stets gegenwärtige Dankbarkeit darüber inne, dass ihnen das Geschenk, die Gegenwart GOTTES zu erfahren, zuteil wurde. Diese Dankbarkeit ist die Form, in welcher Verehrung zum Ausdruck gebracht wird. Alles Erschaffene und Existierende widerspiegelt gemeinsam die glorreiche Herrlichkeit GOTTES.

Die menschliche Erscheinung hat eine ganz neue Aura angenommen. Das eine SELBST strahlt aus jedermanns Augen hervor. Ein Leuchten strahlt von jedem Antlitz aus, jeder ist gleichermaßen schön.
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